Traubenwickler
Die beiden Schmetterlingsarten Einbindiger und Bekreuzter Traubenwickler gehören zu den bedeutendsten Schädlingen der Rebe. Zur Familie der Wickler gehörend (Tortricidae) und in zwei unterschiedlichen Gattungen auftretend. Der bekreuzte Traubenwickler bevorzugt trockenes und warmes Klima der einbindige kühleres und feuchteres.
Einbindiger (links) und bekreuzter (rechts) Traubenwickler (aus: Lipps, 2008, S. 555).Beide Arten entwickeln pro Jahr zwei Larvengenerationen (Heu- und Sauerwurm). In warmen Jahren kann vor allem der bekreuzte Traubenwickler eine dritte Generation (Süßwurm) hervorbringen. Die Überwinterung erfolgt als Puppe am Rebstock. Der erste Flug ist meist in der zweiten Aprilhälfte zu beobachten und erreicht seinen Höhepunkt im Mai. Nach der Begattung legen die Weibchen etwa 80 Eier an den Blüten der einzelnen Gescheine ab. Nach 6-12 Tagen schlüpft die erste Larvengeneration und beginnt die Fraßtätigkeit an den Gescheinen (siehe Bild unten) (vgl.: Schirra/Herrmann, 2005, Seite 176). Typischerweise werden Einzelblüten miteinander versponnen. Ab Ende Juni/Anfang Juli beginnt der Mottenflug der zweiten Generation. Nach Begattung werden die Eier direkt an den einzelnen Beeren abgelegt, so dass die schlüpfende zweite Larvengeneration sich direkt in die Beerchen hineinfressen kann. Nach mehrwöchiger Fraßtätigkeit suchen die Larven ihre Winterquartiere am Rebstock auf (vgl:: DLR, 2009, Seite 55ff).
Heuwurmbefall am Geschein (aus: Lipps, 2008, S. 556).
Sauerwurmbefall am Beerchen (aus: Lipps, 2008, S. 556)
Zur Bekämpfung des Traubenwicklers hat sich an der Mittelhaardt Deutsche Weinstraße in den letzten Jahren die umweltschonende Konfusionsmethode als biotechnologischer Ansatz (Pheromonverfahren) durchgesetzt. Hierbei wird der Falterflug mittels Pheromonfallen überwacht. Die Höhepunkte der Flugzeit können somit exakt bestimmt werden. Mittels zweikammeriger Dispenser, die an die Bogrebe geheftet werden und die die Sexuallockstoffe der Weibchen enthalten, werden die paarungswilligen Männchen fehlgeleitet, so dass die Zahl der Begattungen und damit schlüpfenden Larven reduziert wird.
Zweikammer-DispenserDiese Methode verlangt jedoch, dass ein größeres zusammenhängendes Areal mit Dispensern bestückt wird. Nur so ist gewährleistet, dass eine lückenlose "Pheromonwolke" ohne Lücken entsteht. Die Dispenser geben den Lockstoff über einen Zeitraum von cirka drei Monaten ab und bilden damit einen wirksamen Schutz der Rebe vor Fraßschäden, ohne ein Traubenwicklerinsektizid applizieren zu müssen.
Literatur:
Lipps, Hans-Peter (2008): Rebschutz. - In: Müller/Walg/Lipps (Hrsg.): Der Winzer. Weinbau, Seite 520-584, Stuttgart.
Schirra, Herrmann: Tierische Schädlinge (Insekten) - In: Mohr, Hans Diedrich (Hrsg.): Farbatlas. Krankheiten, Schädlinge und Nützlinge an der Weinrebe, Seite163-207, Stuttgart.
DLR (Dienstleistungszentrum ländlicher Raum): Sachkunde im Pflanzenschutz, 2009. Ordner zum Sachkundenachweis im Pflanzenschutz, Seite 55-61.
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